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Handel fordert: "Fehlentscheidung" korrigieren


Auch OB Dieckmann liebäugelt mit Verkauf des Alten Stadthauses - Einzelhandel führt Auslastung des Parkplatzes als Argument gegen Einkaufsgalerie in Stadtwerke-Gebäuden an


Von Rolf Kleinfeld


Bonn. Die Stadt sei auf dem Weg, in der City den "größten Fehler der letzten Jahrzehnte" zu machen. Das meint zumindest der Bonner Einzelhandelsverband, wenn er an das Alte Stadthaus am Bottlerplatz denkt.
Dieses soll nach dem Willen der Politik umgebaut werden - für elf Millionen Euro zur neuen Stadtbücherei, und auch die Volkshochschule und der Verein an der Synagoge sollen dort in das so genannte "Haus der Bildung" einziehen.
Der Einzelhandelsverband hat jetzt einen Vorschlag unterbreitet, wie einerseits die elf Millionen Euro Sanierungskosten einzusparen sind, die die Stadt nicht hat, andererseits aber auch die strittige Innenstadt-Erweiterung in die Stadtwerke-Gebäude an der Theaterstraße/Sandkaule umzusetzen ist.
Die Idee: Bücherei, VHS und Verein sollen dort, im SWB-Komplex, einziehen, denn die Büros und Säle seien dafür jetzt schon geeignet. Man spare überdies die mindestens elf Millionen Euro Sanierungskosten für das Alte Stadthaus und könne zudem Geld beim Verkauf des denkmalgeschützten Hauses am Bottlerplatz einnehmen.
Das Ziel wäre, dort Einzelhandel zu betreiben. Auch Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann erkennt viele Vorteile in dieser Lösung, würde sie doch das Stadtsäckel entlasten und den zusätzlich verlangten großflächigen Einzelhandel ("Saturn") kurzfristig realisierbar machen.


"Erinnern Sie sich noch an meinen Vorschlag von damals?", fragt sie vieldeutig. In der Tat hatte die OB darauf gesetzt, das Alte Stadthaus für Einzelhandel zu nutzen und das "Haus der Bildung" in einem Neubau an der Quantiusstraße unterbringen. Doch das machte der Stadtrat nicht mit, sondern bestand auf die Lösung "Umbau Altes Stadthaus."
Hinter vorgehaltener Hand räumen Politiker aller Fraktionen zwar ein, dass eine Fehlentscheidung getroffen wurde und das Alte Stadthaus für ein "Haus der Bildung" nicht wirklich geeignet sei. Offizielle Resonanz auf den Vorschlag allerdings: keine. "Es wäre doch ein Zeichen von Größe, das auch öffentlich einzugestehen und eine Fehlentscheidung wieder zurückzunehmen", sagt Rüdiger van Dorp, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes und Vizepräsident der IHK.
"Inzwischen weiß doch auch jeder, dass die Sanierung des Alten Stadthauses mit elf Millionen Euro nicht zu machen ist." Die Reaktion der Politik auf den Vorschlag allerdings: keine. Eine kulturelle Nutzung, die auch einen Hotel-Neubau im jetzigen Stadtwerke-Komplex einschließt, könnte sich van Dorp dagegen entlang der Theaterstraße/
Sandkaule sehr gut vorstellen - als Ergänzung zum zukünftigen Beethoven-Festspielhaus.
Dass die Ratsfraktionen ein Jahr vor der Kommunalwahl vor dem Revidieren der Entscheidung zurückschrecken, hält van Dorp für "ein Armutszeugnis". "Die haben eben immer noch nicht verstanden, dass Politiker, die auch mal öffentlich Fehler eingestehen, wählbarer sind als die, die immer erst mit einem Bürgerbegehren konfrontiert werden müssen, um umzuschwenken."


Bärbel Dieckmann wartet die Diskussion derweil gelassen ab. Ob der Vorschlag der Einzelhändler nicht doch Charme hat? "Natürlich hat er das", sagte sie dem GA. Einen erneuten Vorstoß ihrerseits - gegen die bestehende Ratsmehrheit - schließt sie jedoch derzeit aus. Van Dorp, der das Gros der Innenstadt-Händler hinter sich weiß, sagt: "Es soll keiner sagen, wir hätten nicht gewarnt, eine schlechte Lösung umzusetzen."
Wenn im Stadtwerke-Komplex statt dessen eine neue Einkaufsgalerie entstehe, helfe das der Innenstadt überhaupt nicht, glaubt er und führt als Beleg die Auslastung der dortigen "Beethoven"Tiefgarage an. Selbst zur kaufkräftigen Vorweihnachtszeit im November, als alle anderen City-Parkhäuser gut belegt waren, erreichten die Parkplätze unter dem SWB-Haus nur etwa 13 Prozent der Auslastung der innerstädtischen Garagen.
Im Jahr davor sei es ähnlich gewesen. Van Dorp ist deshalb sicher: "Wenn die Leute noch nicht einmal dann dort parken, wenn es woanders keine Parkplätze gibt, dann dürfte doch sonnenklar sein, dass eine Einkaufsgalerie an dieser Stelle keine Stärkung des Zentrums sein kann."


Quelle: General-Anzeiger online vom 17.06.2008


„Kultur statt Shoppingcenter"


Der Bonner City-Einzelhandel verschärft seinen Druck, um das geplante Einkaufszentrum im Haus der Stadtwerke zu verhindern. Gestern überreichten Vertreter des Vereins...
BONN. Der Bonner City-Einzelhandel verschärft seinen Druck, um das geplante Einkaufszentrum im Haus der Stadtwerke zu verhindern. Gestern überreichten Vertreter des Vereins city-marketing Stadtbaurat Werner Wingenfeld Unterschriften von 110 Kaufleuten, die damit ihr Unverständnis über das Vorhaben ausdrücken. Gleichzeitig erhielten die Stadtverordneten einen offenen Brief von city-marketing, in dem sie aufgefordert werden, der Ausweitung der City nicht zuzustimmen. Nur wenn, wie von der OB vorgeschlagen, das Zentrenkonzept, das die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel begrenzt, bis zur Beethovenhalle / Festspielhaus ausgedehnt wird, hat der Investor OFB Projektentwicklung GmbH eine Chance, dort das etwa 18 000 Quadratmeter große Shoppingcenter „Beethoven-Galerie" mit Saturn als Hauptmieter zu bauen.


Vorrangig sei vielmehr, am Hauptbahnhof „endlich eine Lösung zu finden", so city-marketing-Vorsitzender Oliver Hoffmann nach dem Besuch bei Wingenfeld. „Bonner Politiker, entsorgt erst den alten Müll Südüberbauung / Bahnhofsvorplatz, bevor Ihr neuen produziert: Kein Einkaufscenter Stadtwerke", heißt es drastisch in einem Aufruf des Vereins, der gestern publiziert wurde. Die „Beethoven-Galerie" sei nicht in den funktionierenden Einkaufsstandort City integriert. Das Argument, das Zentrum liege ja nur knapp 100 Meter vom Stadtwerke-Haus entfernt, lässt Hoffmann nicht gelten: „Kunden fahren dort in die Tiefgarage, gehen durch die Galerie, kaufen ein und fahren wieder nach Hause, ohne frische Luft gesehen zu haben oder in die Innenstadt gegangen zu sein."


Ein Elektromarkt, der in der City fehle, könne am Hauptbahnhof angesiedelt werden. In die Nähe des Festspielhauses hingegen passe kein Einkaufszentrum, sondern „deutlich besser" eine „Kulturinsel". Vorsitzender Hoffmann: „Ein architektonisches und kulturelles Markenzeichen von höchster Qualität wie das Festspielhaus wird durch ,Geiz ist geil' entwertet."


Trotz aller Differenzen schieden Wingenfeld und die Kaufleute sachlich-versöhnlich: „Auf gute weitere Zusammenarbeit trotz aller unterschiedlichen Meinungen", sagte der Stadtbaurat. Und Hoffmann versicherte: „Wir schlagen die Tür nicht zu." (dbr)


Quelle: Rundschau-Online vom 17.6.2008


Neue "Beethoven-Galerie" sorgt für Dissonanzen


In fünf Jahren könnte auf Stadtwerke-Areal großes Einkaufszentrum stehen - Stadt will grünes Licht geben, Bonner Einzelhändler protestieren
Von Bettina Köhl und Bernd Leyendecker


Bonn. Ein großes Einkaufszentrum für die Bonner Innenstadt rückt in greifbare Nähe: Der Stadtwerke-Komplex an der Theaterstraße/Sandkaule soll nach dem Willen von Stadtverwaltung und Stadtwerken (SWB) geräumt, abgerissen und mit einer neuen "Beethoven-Galerie" bebaut werden.
Gegenwind kommt vor allem von den Einzelhändlern, die Umsatzeinbußen und Stillstand bei geplanten Bauprojekten innerhalb des City-Rings fürchten.
Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann gibt Gas und wirbt für das Projekt. In der Ratssitzung am 18. Juni soll die Entscheidung für die "Beethoven-Galerie" fallen, die die OFB Projektentwicklung GmbH, eine Tochter der Hessischen Landesbank, bauen möchte.
Fürsprecher der Abrisspläne ist auch SWB-Chef Hermann Zemlin. Er will mit dem Umzug in neue Gebäude Mietkosten sparen. Dem Verein City-Marketing und dem Einzelhandelsverband geht das alles zu schnell. Sie fordern einen Masterplan, der der künftigen Innenstadtentwicklung einen verlässlichen Rahmen geben soll.
Zurzeit gibt es in der City diverse "Baustellen": Wettbewerbe laufen für die Gestaltung von Bahnhofsvorplatz und Haus der Bildung am Bottlerplatz. Die Sparkasse KölnBonn denkt über den Abriss ihrer Hauptgeschäftsstelle am Friedensplatz nach. Die Uni hat bereits entschieden, ihre Poliklinik von der Wilhelmstraße auf den Venusberg zu verlegen.
Ungewiss ist die Zukunft des Karrees zwischen Viktoriabad und Rathaus. Hier hat die Kölner LEG Standort- und Projektentwicklung GmbH im vergangenen Jahr die Häuser der Firma Dahm aufgekauft, ebenfalls mit dem Ziel, zusätzlichen Einzelhandel in die Innenstadt zu holen. Für verschiedene Standorte - Viktoria-Karree, Bahnhof und Friedensplatz - war bereits ein Elektronikmarkt als "Ankermieter" im Gespräch.
Die Bonner Innenstadt braucht zusätzliche Einzelhandelsflächen, um als Oberzentrum konkurrenzfähig zu bleiben. Das ist unstrittig. Aber wo? Das Zentrenkonzept der Stadt sagt, dass hinter dem Bertha-von-Suttner-Platz quasi die "grüne Wiese" beginnt. Einzelhandel, der schädlich für die Innenstadt wäre, darf hier nicht angesiedelt werden. Das soll am 18. Juni per Ratsbeschluss geändert werden.
Die Verwaltung weicht dabei vom Entwurf des Gutachters Donato Acocella ab. Der hatte "im Sinne einer lebendigen Innenstadt" von einer "wesentlichen Ausdehnung" abgeraten: Sie werde den Investitionsdruck deutlich verringern, so dass Brachflächen nicht entwickelt würden.


Das Konzept für die "Beethoven-Galerie"
So sieht nach Angaben des Bonner OFB-Partners Wolfgang Bohn der Zeitplan aus: Nach dem Neubau der SWB-Zentrale an der Brühler Straße, den das Bonner Familienunternehmen Nonnen-Büscher verwirklichen will, sowie dem Abriss des jetzigen Stadtwerke-Hauses soll Ende 2010 mit der Beethoven-Galerie begonnen werden, die im Herbst 2013 eingeweiht werden soll.
In diesem Gebäude, für das der Investor einen Architektenwettbewerb ausschreibt, wird es auf rund 18 500 Quadratmetern Verkaufsfläche etwa 40 Geschäfte geben - mit hochwertigen Artikeln für ein vornehmlich jüngeres Publikum.
Rund 50 Prozent sollen Läden der Textil- und Modeartikelbranche belegen, 20 Prozent der Elektronikmarkt Saturn, 10 Prozent ein Verbrauchermarkt, den Rest ein Mix aus kleinen Läden. Bohn betont, dass zu der "Beethoven-Galerie" auch ein Hotel, Büros, Arztpraxen und ein Fitnesscenter gehören.
"Das Interesse ist derart groß, dass wir innerhalb von zwei Monaten 80 Prozent vermieten könnten", sagt er; selbst "Kaufleute von inhabergeführten City-Geschäften haben angefragt und planen bei uns einen zweiten Laden".
Zeitgleich soll unter dem Stiftsplatz eine Tiefgarage gebaut und der Platz zu einem "innerstädtischen Park" umgestaltet werden. Auf offene Ohren stößt der Investor auch mit seinem Plan, anschließend auf dem Areal östlich der Galerie, auf dem das Gesundheitsamt steht, Wohnungen und Büros zu bauen.
Das Amt könnte dann an den neuen Stadtwerke-Komplex ziehen. Dort wäre auch Platz für das Finanzamt, das derzeit in der Kölnstraße und der Welschnonnenstraße untergebracht ist. "Diese Fläche ist ein attraktiver Bürostandort", sagt Bohn und weist darauf hin, dass auch das Finanzamt Bonn-Außenstadt (jetzt Bachstraße) an die Brühler Straße ziehen könnte.
Bohn ist in Bonn kein Unbekannter. Er trat vor sieben Jahren als Projektentwickler für das Beueler Zementfabrik-Gelände auf, doch nach Querelen mit der Stadt hatte die Oberbürgermeisterin die Verhandlungen mit ihm abgebrochen. (ly)


Quelle: General-Anzeiger online


Händler wollen einen Masterplan für die Bonner City


Der City-Marketing-Vorstand fordert die Politik zu mutigeren Entscheidungen auf, damit endlich Bewegung in Projekte wie den Bahnhofsvorplatz kommt - Einzelhandel am Friedensplatz?
"Bonn fehlt ein Masterplan." Der dreiköpfige Vorstand des City-Marketing-Vereins ist sich absolut einig. Nicht nur, dass es bei zahlreichen Projekten in der Innenstadt nicht vorangeht, ist dem Vorsitzenden Oliver Hoffmann und seinen Stellvertretern Karina Kröber und Ralph Job ein Dorn im Auge. Für sie fehlt auch der Blick aufs große Ganze.
Ein Armutszeugnis stellen sie in diesem Zusammenhang vor allem auch den Politikern aus, ganz gleich aus welcher Partei sie stammen. "Die trauen sich nicht, auch mal eine Entscheidung zu treffen, die nicht jedem gefällt", urteilt Hoffmann, der seit zehn Jahren sein Juweliergeschäft in der Sternstraße führt. "Die rheinische Lösung hat ihre Grenzen", pocht Job, Geschäftsführer der Buchhandlung Bouvier/Thalia, auf eindeutige Lösungen anstelle von Wischiwaschi.
Neben der Kritik haben die beiden Männer und ihre Mitstreiterin auch klare Vorstellungen. "Das Haus der Bildung, da muss Einzelhandel rein", machen sie ein Fass wieder auf, auf dem die Politik bereits den Deckel drauf zu haben glaubte. Die Konkurrenz fürchten die drei nicht, sofern sie sich innerhalb des Cityrings ansiedelt.
Denn, so ihr Credo, erst sollen dort die zahlreichen Baustellen zu Ende gebracht werden, bevor über weiter reichende Pläne wie das Stadtwerke-Haus oder das Viktoriakarree nachgedacht werden könne. Eine völlig neue Idee haben die City-Marketing-Vorstände auch bereits in Angriff genommen: In einem Brief an die Sparkasse haben sie vorgeschlagen, die riesige Halle des Geldinstituts am Friedensplatz für Einzelhandelsnutzung umzubauen. Inklusive einer Sparkassen-Filiale, versteht sich. Und der Bahnhofsvorplatz, das Eingangstor zur Fußgängerzone, der steht auf ihrer Prioritätenliste ganz weit vorne.
"Da gibt es nichts Urbanes", macht Job aber auch vor dem "Hinterhof" der Sparkasse bis hin zum Windeckbunker nicht halt, der leicht zu einem attraktiven Platz innerhalb der City werden könnte. "Lebensmittel fehlen total", weist Optikerin Kröber auf eine Wunschliste potenzieller neuer Anbieter hin. "Internationale Marken", ergänzt Hoffmann. Aber auch angesagte Lifestyle-Marken wie Puma und Adidas sähen die drei Vorstände gern in Bonn.
Das Wichtigste für die drei Vorstandsmitglieder ist jedoch, dass der Stillstand zu Ende geht. Ob Metropol oder Bahnhof, für sie ist eher eine "Blockadehaltung" entstanden. Was für sie nicht bedeutet, dass sie die Bürgerinitiativen generell verdammen. "Es ist gut, dass jemand darüber wacht, dass nicht klein Las Vegas entsteht", findet Hoffmann. Dennoch müsse es in der Innenstadt eben auch weitergehen. "Es hat schließlich immer einen Wandel gegeben."
Deshalb wollen Hoffmann, Kröber und Job auch "keine Wagenburgmentalität" und stehen dringend benötigten neuen Einzelhandelsflächen positiv gegenüber. "Es kommt nur drauf an, wo sie entstehen", schränkt Kröber ein. Wenn es nach dem City-Marketing-Vorstand geht, eben nicht auf der grünen Wiese. Und die fängt für sie schon an der Stadtwerke-Zentrale an.


Quelle: www.general-anzeiger-bonn.de


Ein City-Ring voller Fragezeichen


Auf Bonns größter Baustelle drehen sich bisher keine Kräne. Während für den neuen Stadtbaurat Bahnhofsvorplatz und Stadtwerke-Areal Vorrang haben, wünschen sich die Händler einen Masterplan


Auf Bonns größter Baustelle stehen keine Kräne. Wenn es um die Zukunft der Innenstadt geht, haben Planer und Politik noch viel zu tun, bis die ersten Maschinen anrücken. Bahnhofsvorplatz, Viktoriabad-Karree, Stadtwerke-Areal und Poliklinik sind Flächen, die voraussichtlich über kurz oder lang angepackt werden. Neben diesem City-Ring voller Fragezeichen gibt es auch in der Fußgängerzone noch Immobilien im Dornröschenschlaf: Das Land will die leer stehende Namen-Jesu-Kirche in der Bonngasse verkaufen.
Das Metropol-Kino am Markt ist seit mehr als zwei Jahren zu. Die Sparkasse Köln/Bonn hat sich noch nicht entschieden, ob sie ihre Hauptgeschäftsstelle am Friedensplatz abreißt. Und das Haus der Bildung im Alten Stadthaus am Bottlerplatz ist zwar beschlossene Sache, harrt aber seiner Umsetzung. Nach einem Wettbewerb soll im August 2009 mit dem Umbau des Gebäudes für Volkshochschule und Stadtbibliothek begonnen werden.
„Inhaltliche Priorität hat der Bahnhofsbereich als Entree für die Innenstadt", sagt Bonns Stadtbaurat Werner Wingenfeld. Das Umfeld des Bahnhofs müsse dazu animieren, auszusteigen und die Stadt zu besuchen. „Das ist heute nicht der Fall", findet der Neubonner, der seit Anfang März das Dezernat für Stadtentwicklung leitet. Während er plant, am Bahnhof „zügig, aber nicht hastig" vorzugehen, hat das Stadtwerke-Areal an der Welschnonnenstraße für ihn zeitliche Priorität. Hier soll nach Abriss der Stadtwerke-Gebäude das Einkaufszentrum „Beethovengalerie" entstehen, so die Pläne eines Investors, die die Stadt unterstützt. „Es ist wichtig, hier schnell weiterzukommen und die City zu erweitern", so Wingenfeld.
Der Marktplatz-Gedanke beinhalte, dass die Innenstadt von Einzelhandel geprägt sei. „Wir sind hervorragend aufgestellt durch kleinteiligen und teilweise noch Inhaber-geführten hochwertigen Einzelhandel. Was fehlt, sind große Flächen." Wenn die Stadt diese nicht anbiete, gingen die Unternehmen ins Umland und schwächten so das Oberzentrum Bonn. Mehr hochwertige Textil- und Lifestyle-Angebote sowie Unterhaltungselektronik hält Wingenfeld für unverzichtbar. Die Tatsache, dass die Innenstadt nur noch wenig Platz biete, verpflichte bei Neubauten zu Qualität.
Weitere tragende Säulen einer funktionierenden Innenstadt seien soziale und kulturelle Angebote. Durch die Arbeit als Stadtplaner in Aachen weiß Wingenfeld außerdem, wie „wichtig die Entwicklung des innerstädtischen Hochschulstandorts ist". Das Viktoria-Karree in unmittelbarer Uni-Nähe hält er für einen durchaus geeigneten Standort, „es muss ja nicht im Erdgeschoss sein". Allerdings seien in dem Gebäude-Komplex noch längst nicht alle Flächen verfügbar.
Der Einfluss der Verwaltung auf die Innenstadtentwicklung hat Grenzen. „Wir können nicht selbst investieren. Und wir werden keine Geschenke machen. Das bedeutet, Flächen nur zu ihrem Wert weiterzugeben", sagt Wingenfeld.
Zugleich glaubt der Stadtbaurat, dass die Verwaltung viel tun kann, indem sie zum Beispiel klare Leitlinien für die Innenstadt entwickelt und die Kooperation mit Privaten verbessert. Dieser Servicegedanke stecke auch im neuen Dezernatsnamen: „Stadtentwicklung und Baurecht" statt Planung.
Entscheidend ist laut Wingenfeld die Verlässlichkeit von Entscheidungen. „Wenn wir es nicht hinbekommen, bei der Infrastrukturpolitik die größtmögliche Einigkeit über Fraktionsgrenzen hinweg zu erzielen, ist das fatal." Er habe aber keinesfalls den Eindruck, dass das nicht möglich sei.
Die „Baustelle Innenstadt" hat den neuen Dezernenten nicht eingeschüchtert. Im Gegenteil. „Sie ist ein Grund, warum ich so gerne herkam", sagt Wingenfeld zuversichtlich. „In zehn Jahren werden wir ein anderes Bild haben."
Rüdiger van Dorp ist Innenstädter durch und durch. Dem Vorsitzenden des Bonner Einzelhandelsverbandes liegt die City nicht nur aus beruflichen Gründen am Herzen. „Sie ist viel besser als ihr Ruf", schickt er gerne voraus, bevor er auf die offenen Baustellen zu sprechen kommt. Zum Bahnhof hat er eine klare Meinung. „Die Südüberbauung muss weg. Stadtreparatur plus ein gutes Geschäft - das geht nicht." Und da die Stadt kein Geld habe, müsse sie eben Grundstücke einsetzen, meint van Dorp.
Die Händler können sich durchaus Alternativen zur städtischen Planung vorstellen. Im Alten Stadthaus am Bottlerplatz wäre aus van Dorps Sicht auch gut ein Elektronikmarkt untergebracht. Das Stadtwerke-Haus favorisiert er im Gegenzug als Bildungsstandort: Nicht nur für VHS und Bücher, auch für Stadtmuseum und Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus wäre hier Platz, sagt van Dorp. Und das in Reichweite des Synagogen-Mahnmals am Rheinufer.
Bei der Forderung nach einem Masterplan für die Innenstadt ziehen Einzelhandelsverband und Verein City-Marketing an einem Strang. „Solange es Entwicklungspotenzial in der Innenstadt gibt, müssen wir das ausschöpfen", sagt Juwelier Oliver Hoffmann, Vorsitzender von City-Marketing. Die „grüne Wiese" beginnt auch für ihn schon am Stadtwerke-Haus.
Die klare Linie - sie ist bei der Fülle von Einzelentscheidungen, Einzelinteressen und Einzelprojekten in der Innenstadt zurzeit nicht zu erkennen, finden die Sprecher der Bonner Einzelhändler. Bei einem „Masterplan" könnten die Geschäftsleute ihre Erfahrungen einbringen, sagt van Dorp, „die Entscheidungen muss die Politik selbst treffen".
Dass in der Innenstadt noch so vieles offen ist, bietet aus Sicht der Beteiligten auch Chancen: Ein möglicher Sparkassen-Abriss am Friedensplatz könnte für City-Marketing-Vize Ralph Job Anlass sein, die „Hinterhofsituation" der Budapester Straße zu verändern und die Thomas-Mann-Straße besser mit der Fußgängerzone zu verknüpfen. Um nur ein Beispiel zu nennen. Oder der Umzug der Poliklinik von der Wilhelmstraße auf den Venusberg - Rüdiger van Dorp sieht hier gute Möglichkeiten, in bester Citylage neue Wohnungen zu schaffen.
Dass die Innenstadt einen großen Elektronikfachmarkt braucht, um als Oberzentrum attraktiv zu bleiben, ist unstrittig. Aber als Teil eines großen Einkaufszentrums? Und wo? Elektronik wird als „Ankermieter" sowohl für Stadtwerke-Gelände und Viktoria-Karree als auch für den Bahnhofsplatz genannt. Wie viel Fläche braucht die Uni künftig? Was wird mit dem Verkehr? Bekommt Bonn mit mehr Einzelhandelsfläche auch mehr Parkplätze? Fragen, auf die bisher niemand eine Antwort gegeben hat. Deshalb rücken auf Bonns größter Baustelle auch noch keine Kräne an.


(Quelle: General-Anzeiger, Bettina Köhl, 07.05.2008)