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Einkaufszentrum „Bonner Stadtwerke"


Am Stadtwerkegelände, von der Josef- bis zur Theaterstraße, soll sich in wenigen Jahren ein Einkaufzentrum „Beethoven Galerie" unverstellt präsentieren. Über 22.000 qm Mietfläche stehen dann für Einzelhandelsangebote neu zur Verfügung. Mit dem Elektronikmarkt als Ankermieter (4.500 qm) und einem umfassenden Lebensmittelangebot werden Angebotslücken der City geschlossen. Allerdings werden auf ca. 2/3 der Flächen Sortimente angeboten, die in der Innenstadt bereits gut vertreten sind. Nach eigenem Gutachten soll das Einkaufszentrum knapp 90 Mio. € Umsatz erzielen, der zu etwa einem Drittel aus der City und insgesamt zu über 50% aus dem Bonner Handel abgezogen wird. Die erwarteten Besucher sollen in einem neuen Parkhaus unter dem Stiftsplatz Aufnahme finden, von wo aus ein unterirdischer Zugang zur Beethoven-Galerie besteht. Der Kunde hat also Gelegenheit, aus dem Auto in das Einkaufszentrum und zurück zu kommen, ohne einmal frische Luft atmen zu müssen.
Das Interesse der Stadt an der Umsetzung wird mit der Kaufkraftbindung begründet, während die Stadtwerke bei einem Umzug an einen anderen Standort Mietkosten sparen können. Das Argument der Kaufkraftbindung macht aber nur dann Sinn, wenn die City insgesamt davon profitiert, sonst droht die „Kannibalisierung" der Standorte. Auf Grund der eindeutig voneinander getrennten Standorte sind aber Kopplungskäufe oder Synergieeffekte nicht zu erkennen. Auch in der Literatur wird auf das Gefährdungspotential von Einkaufszentren in Randlage der City hingewiesen, die im Wesentlichen das Sortiment der Innenstadt aufweisen und kein offenes Konzept zum gewachsenen Zentrum hin verfolgen. Für diese Abschottung gegenüber der Innenstadt ist das große, unmittelbar angebundene Parkraumangebot ein Indikator. Der Investor geht in seinem Gutachten nicht auf die Anbindung an die City ein, während die Erreichbarkeit des Centers ein gut untersuchtes Kapitel darstellt.




Fakten zum Einkaufszentrum „Bonner Stadtwerke"


  • Das Center umfasst insgesamt eine Fläche von 27.370 m², davon entfallen auf den Einzelhandel 22.510 m² Mietfläche.
  • Die restlichen Flächen stehen für einzelhandelsnahe Dienstleistungen, Gastronomie und ein Fitnesscenter im 2. Obergeschoss zur Verfügung.
  • Die Verkaufsflächen befinden sich im Untergeschoss (Basement), im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss.
  • Parkplätze werden durch eine Tiefgarage unter dem Stiftsplatz geschaffen, die im Basement mit dem Center verbunden wird.
  • Der größte Verkaufsflächenanteil entfällt auf Modegeschäfte mit von 9.270 m² (39%). Hierbei verteilen sich 4.400 m² auf drei größere Verkaufsflächen von jeweils über 1000 m².
  • Magnetbetrieb des Centers wird ein Elektrofachmarkt der Media/Saturn-Gruppe auf zwei Verkaufsebenen (EG, 1.OG) mit etwa 4.500 m² Verkaufsfläche.
  • Für den periodischen Bedarf (Supermarkt, Bäckerei, Drogerieartikel, etc.) sind im Center 5.840 m² vorgesehen. Es soll sowohl ein Supermarkt als auch ein Discounter im Center untergebracht werden.
  • Für Hartwaren und den persönlichen Bedarf (Haushaltswaren, Geschenkartikel, Bücher, etc.) stehen im Center 2.820 m² zur Verfügung.
  • Für Gastronomie und Dienstleistungen stehen im Center 1.160 m² zur Verfügung, die restliche Fläche umfasst das Fitnesscenter im 2. Obergeschoss.
  • Das heutige Stadtwerke-Gelände (Josephstraße bis Theaterstraße, entlang der Sandkaule) wird durch die Hauptverkehrsstraße  Bertha von Suttner Platz/Berliner Freiheit (Teil des City-Rings) von der Innenstadt abgetrennt und ist bisher optisch und funktional nicht als Teil der Innenstadt erkennbar.







  • Fakten zum Einzelhandel in der Bonner Innenstadt


  • Zur Innenstadt zählen die Straßen innerhalb des City-Rings (Grenzen: Universität, Bahnhof, Oxfordstraße, Belderberg)
  • Die Verkaufsfläche beträgt 128 950 m²
  • 1a-Lagen: Poststraße, Remigiusstraße, Sternstraße und Wenzelgasse; höchste Passantenfrequenz: Remigiusstraße mit 6470 Passanten am 13.6. 06, 12-13 Uhr)
  • Es dominieren Einzelhandelsgeschäfte für den aperiodischen Bedarf, die 91% der Gesamtfläche einnehmen.

  • Diese hohe Zahl entspricht dem typischen Prozess in deutschen Innenstädten, in denen der Einzelhandel des täglichen Bedarfs (insbesondere Lebensmittel) kontinuierlich abgenommen hat.  
  • Größter Sortimentsanteil: Mode mit einer Verkaufsfläche von 72 850 m².

  • Modegeschäfte gehören zum klassischen innerstädtischen Einzelhandel, somit ist die Situation in Bonn typisch für eine deutsche Großstadt. Die Kaufkraftbindung in diesem Sortiment ist überdurchschnittlich hoch
  • Weitere Sortimentsanteile:

  • Hartwaren und persönl. Bedarf mit 27 600 m². Hohe Kaufkraftbindung der City
    Möbel/Bau und Garten sind mit 10 750 m² vertreten. Geringe Kaufkraftbindung der City
    Elektro mit nur 6300 m². Unterdurchschnittliche Kaufkraftbindung
    - In diesem Segment entfällt ein großer Anteil auf die Fachabteilungen der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof. Die beiden letztgenannten Bereiche gelten nicht mehr als innenstadttypisch und eine unterdurchschnittliche Kaufkraftbindung ist somit nicht der City anzulasten .
  • Bedeutend für die Innenstadt sind zudem zahlreiche Gastronomiebetriebe. In der 1a-Lage liegt ihr Anteil bei 16,3% der Verkaufsflächen.
  • Der Marktanteil der City am gesamten Bonner Einzelhandelsumsatz liegt bei 32,6%.
  •    Der Bonner Einzelhandel erreicht 2006 eine Zentralitätskennziffer von  112,1 (GFK/Kempers).



  • Quellen:
    BulwienGesa Ag: Wirkungsanalyse EKZ-Projekt „Bonner Stadtwerke".
    Kemper's City Profil Bonn 2006.




    Pro EKZ "Bonner Stadtwerke"
  • Elektrofachmarkt als Hauptmagnet beseitigt diese Angebotslücke auf Bonner Stadtgebiet.
  • Kaufkraftbindung für Bonn
  • Das zentrumsnahe Lebensmittelangebot wird ausgeweitet
  • Durch positive Ausstrahlungseffekte ggf. Attraktivitätssteigerung des Areals Kölnstraße/Suttner- und Stiftsplatz



  • Contra EKZ "Bonner Stadtwerke"
  • EKZ-Standort an dieser Stelle schreckt Investoren für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes ab.
  • Kaufkraftabfluss aus der Innenstadt.
  • Hoher Anteil an Bekleidungsgeschäften im EKZ geplant, diese sind in der Bonner City aber schon stark vertreten
  • Standort weder optisch noch funktional mit der City verbunden, getrennt durch die Magistrale Suttner Platz/Berliner Freiheit
  • Ankermieter stehen nicht mehr für andere Standorte zur Verfügung
  • Hohe Parkplatzanzahl verstärkt Konkurrenz zur Innenstadt, da Kunden nah am geparkten Fahrzeug einkaufen und nicht unnötig weit laufen bzw. „umparken"
  • Ausweitung der City notwendig, ohne Attraktivitätssteigerung in der gewachsenen Innenstadt